Das Kultbuch: Andy Warhol & Pat Hackett – Popism (1980)

-

Das Kultbuch: Andy Warhol & Pat Hackett – Popism (1980)

- Advertisment -

Andy Warhol Popism

In der „In Crowd“.

Anfang der 60er-Jahre löste die Pop-Art den Abstrakten Expressionismus von der Spitze der Kunstwelt ab. Das Innere wurde nach außen gekehrt und das Äußere nach innen. Davon und von allem, was dies im weitesten Sinn mit sich brachte, erzählt Andy Warhol zusammen mit seiner Mitarbeiterin und Vertrauten Pat Hackett in „POPism“, seinem persönlichen Rückblick auf das Jahrzehnt.

In den 50ern bestand die Revolution der Kids aus Lederjacken, Motorrädern und Schlägereien, trotzdem sei jeder auf dem „ihm von Geburt an zugeschriebenen Platz“ geblieben, so Warhol. Eine Dekade später sei das anders gewesen. Jeder konnte alles machen, alle waren in jede (Kunst-)Richtung interessiert, jeder kam überall rein, alles war Kunst, alles war gut: So definiert(e) sich der Pop – oder anders gesagt: So definierte Andy Warhol den Pop.

In den 60ern waren der Pop-Artist und seine Entourage die „In Crowd“. Abends war sie auf jeder Party zugegen – und stieg dann mal wieder über einen be­­trunken am Fuß einer Treppe liegenden und den Girls unter den Rock schauenden Bob Dylan – jede Party wur­de erst durch sie zu einer solchen. Untertags hing man in der Factory rum, machte Fotos, konsumierte Drogen, tanzte und hörte Musik. Warhol arbeitete derweil an seiner Kunst, beobachtete die anderen und filmte sie.

Immer schon war er von Stars und dem Berühmtsein besessen: In der Factory gaben sich die Promis dann die Klinke in die Hand. Brian Jones schäkerte mit Edie Sedg­wick auf der Couch, Judy Garland stritt mit Tennessee Williams, ob sie nun besser schauspielern oder singen könne, und Paul Morrissey brachte Nico zum Lachen. Für den größten Auftritt des Jahres sorgte 1965 laut Warhol übrigens niemand an­­deres als Papst Paul VI.: An einem Tag von Rom nach New York, alles ansehen und für gut befinden („tutti buoni”) und abends wieder zurück – das ist Pop!

Wie jedes Buch lässt sich „POPism“ natürlich klassisch von vorne bis hinten durchlesen. Man kann aber auch einfach irgendeine Seite aufschlagen und dort einsteigen. Sogar das auf angenehme Weise nur halb aufmerksame Lesen bietet sich an, weil es für das Ver­ständnis quasi egal ist, was auf der Seite davor stand. Schweift man kurz ein wenig ab (was durch die ganzen prominenten Namen im Buch, von denen man natürlich ein Bild im Kopf hat, fast zwangsläufig passiert), ist man beim nächsten Satz sofort wieder drin. Es ist dieses nicht auf Chronologie fixierte und leichthändige Lesever­ständnis, das nicht zuletzt auch Büchnerpreisträger Rainald Goetz zu einem Bewunderer Warhols machte.

Text: Vincent Numberger

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

In Memoriam: Peter Green

Er war Sänger, Songwriter und einer der besten Bluesgitarristen, die Großbritannien je hervorgebracht hat. Wir blicken zurück auf das...

Jim Breuer und Joe Elliott: Das liebe ich an BACK IN BLACK

Jim Breuer (Comedian und Beano-Imitator) "BACK IN BLACK prägte meine Teenager-Jahre. Es gab, als ich aufwuchs, einen Clash der Sub­kulturen…...

Rückblende: The Quireboys mit ›7 O’Clock‹

Dieser hochansteckende, aufpeitschende Fanliebling von Spike & Co. hatte in den ersten paar Jahren seiner Existenz nicht mal einen...

Die reine Polemik!

Diesmal eher unpolemisch, dafür mit einer tiefen Verbeugung: vor zwei Typen, die 1973 etwas wahrhaft Großes schufen, das in...
- Werbung -

Gamechangers: Guns N‘ Roses mit APPETITE FOR DESTRUCTION

Ob Buddy Holly, der den Kids beibrachte, eine Fender Stratocaster zu begehren, George Harrison als Pionier des amerikanischen Folkrock...

Jackson Browne – DOWNHILL FROM EVERYWHERE

Engagierte Songs – mit karibischen Einschlägen Es werde schwerer und schwerer, neue Lieder zu schreiben, weil einen die eigenen Standards...

Pflichtlektüre

CLASSIC ROCK präsentiert: The Quireboys live!

Unbedingt vormerken: Kommendes Jahr gibt es The Quireboys live...

The Big Four – LIVE FROM SOFIA, BULGARIA

Rundum-sorglos-Paket für jeden Metaller. Als Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen