Die besten Blues-Rock-Songs: Teil 3

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Die besten Blues-Rock-Songs: Teil 3

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Wir werfen einen Blick auf die genialsten Bluesrock-Stücke. Einige davon sind bestens bekannt, doch keine Angst: Für Überraschungen ist gesorgt!

›Walking In The Shadow Of The Blues‹
WHITESNAKE, 1979

Vor ihrer Verwandlung in dauerbewellte Synthiekinder der 80er waren Whitesnake eine klassische Bluesrockband. ›Walking In The Shadow Of The Blues‹ ist meilenweit von ›Here I Go Again‹ und ähnlichen Hits entfernt – diese schwertschwingende Gitarre erinnert viel mehr an Deep Purple, bei denen David Coverdale zuvor gesungen hatte. Das Artwork von LOVEHUNTER, auf dem sich dieser Song befindet, mag der geschmackloseste Moment in der Whitesnake-Historie gewesen sein, doch das ändert nichts an der Klasse des Songs.

›A Fool For Your Stockings‹
ZZ TOP, 1979

Bevor ELIMINATOR ihnen in den 80ern weltweit Ruhm und hohe Chartnotierungen bescherte, waren ZZ Top „nur“ ein rohes Bluestrio aus Texas, das sich die große Tradition seines Heimatstaates in diesem Genre zu Nutze machte und sie mit seinem ganz eigenen, raukehligen Charisma würzte. Dieser Song von DEGÜELLO wird meistens zugunsten des bekannteren TRES-HOMBRES-Klassikers ›La Grange‹ oder der hochglanzpolierten späteren Hits übergangen. Eine Schande, denn diese Nummer ist großartig – eine langsame, linkisch wankende Kombination aus texanischem Charme und sinnlichem Blues.

›Bad To The Bone‹
GEORGE THOROGOOD & THE DESTROYERS, 1982

Ja, natürlich geht es kaum offensichtlicher, aber man kann nun mal keine Liste großer Bluesrock-Songs zusammenstellen, ohne dieses Monster zu erwähnen. Es ist bis heute Thorogoods bekanntestes Stück, hauptsächlich dank der langen Liste von Filmen und Werbespots, in denen es zu hören war (bei seinem Erscheinen war es alles andere als ein Hit), und der Refrain „Baaad to the bone, b-b-b-b-b-bad“ ist wahrscheinlich eine der coolsten Zeilen, die je über Musik gelegt wurden. Der Blueser/Straßenmusiker James Pobiega (alias Little Howlin’ Wolf) behauptet, er habe es geschrieben und Thorogood habe es von ihm gestohlen. Ob das nun wahr ist oder nicht, man kann sich den Song immer und immer wieder anhören.

›Pride And Joy‹
STEVIE RAY VAUGHAN & DOUBLE TROUBLE, 1983

In der kläglich verkümmerten Bluesszene Anfang der 80er fühlte sich das Highlight auf TEXAS FLOOD an, als würde die Kavallerie über die Hügel anstürmen. Ein unwiderstehlicher Rhythmus und das lässige Tempo trafen auf die brutale Präzision von Stevie Rays Soli. ›Pride And Joy‹ inspirierte zwar eine neue Generation, doch sein Einfluss ging in beide Richtungen. Zum einen brach er die Tradition weißer Fanboys, die die Delta-Meister coverten, und Albert King war so beeindruckt, dass er das Stück 1983 gemeinsam mit Vaughan bei einem Fernsehspecial von „In Session“ spielte.

›Cinncinnati Jail (Live)‹
LONNIE MACK, 1986

Die meisten Blueser taten bestenfalls so, als hätten sie sich mit dem Gesetz angelegt,
doch Lonnie trug eine Schusswunde – und diesen fetzigen Klassiker – aus einer Begegnung im Jahre 1977 mit einem schießwütigen Polizisten davon, der nicht einmal im Dienst war. Im Text wird das Erlebnis exakt nacherzählt, bei dem Mack ins Bein geschossen wurde, woraufhin er „mit Stahl als Bett… immer noch voller Blei“ ins Gefängnis wanderte. Das Highlight: sein Live-Solo, das angesichts der Ungerechtigkeit der ganzen Geschichte förmlich brodelte.

›Notcho Blues‹
DANNY GATTON, 1987

Live standen Gattons Qualitäten außer Frage, doch einem Studio war er fast ein ganzes Jahrzehnt lang
ferngeblieben, als das Album UNFINISHED BUSINESS endlich seine Genialität einfing. In weniger fähigen Händen wäre ›Notcho Blues‹ wohl zu einem langweiligen Midtempo-Gähner verkommen, doch das Ass aus Washington verzierte diese so gewöhnliche Leinwand mit seinen überirdischen Gitarrentricks und gleich zu Beginn mit einem neoklassischen Redneck-Anflug. In der sechsten Minute wird schließlich ordentlich aufs Gas getreten und man kann den Rauch von Gattons Telecaster-Griffbrett förmlich riechen.

›Smokestack Lightning‹
SOUNDGARDEN, 1988

Chris Cornells Solowerke umfassen alles, von R’n’B und Elektronik bis hin zu James-Bond-Songs. Doch schon in den Anfangstagen von Soundgarden schien er derjenige mit der interessantesten Plattensammlung gewesen zu sein. ULTRAMEGA OK mag er als „Ultramega Alright“ ab getan haben, doch es lohnt sich, die Perlen aus dem durchwachsenen Debüt herauszufischen. Allein schon, um zu hören, wie die finsteren Fürsten des Grunge ihren Sumpf-Swagger auf Howlin’ Wolfs Standard übertragen. Kim Thayils Gitarrensolo ist reinste Galle, während Chris’ Stimme dafür geboren zu sein scheint, diese geisterhafte „Woo-hoo“-Hookline zu schmettern.

›Gypsy Road‹
CINDERELLA, 1989

Vielleicht war ihnen bewusst, dass das bevorstehende Grunge-Erdbeben Bands ihrer Art dezimieren würde… Das zweite Album der Glam-Metaller aus Philadelphia stellte jedenfalls einen cleveren Schachzug dar, indem es in bluesigere Gefilde abbog. Dennoch konnten sich langjährige Fans mit der herausragenden Single ›Gypsy Road‹ anfreunden, die in beiden Szenen funktionierte. Tom Keifers dämonisches Kreischen kratzte dabei perfekt über das erdige, wendige Gitarrenriff, das dem Track zu seinem Rückgrat verhalf. Die hundepfeifenhohen Töne dieser Nummer trifft der 58-jährige Frontmann live bis heute – und es ist immer noch die reinste Freude, dem beizuwohnen.

›Where Did You Sleep Last Night‹
NIRVANA, 1994

UNPLUGGED IN NEW YORK war eine Offenbarung, nicht nur, weil die vermeintlichen Lärmbolde so mühelos im akustischen Format brillierten, sondern auch aufgrund ihrer radikalen Neuinterpretationen von Bowie, den Meat Puppets und vor allem Lead Belly. Fast gänzlich angetrieben von Cobains knarzender Gitarre, fällt dieser Song vielleicht nur ansatzweise in die Definition von „Bluesrock“, doch seine schiere Kraft qualifiziert ihn dennoch. Der geschriene letzte Vers zieht immer noch in seinen Bann, während die unheilvolle, Rachen-schreddernde letzte Zeile „I would shiver the whole night through“ klingt, als sei sie aus den düstersten Tiefen der Seele des Frontmanns gezerrt worden.

›Love Spreads‹
THE STONE ROSES, 1994

Nach ihrem Debüt 1989 verschwanden die Roses erst mal in einem Nebel aus Gerichtsverfahren, und als sie 1994 endlich wieder auftauchten, war der euphorische, Byrds-eske Jangle-Indie zu einem härteren Bluesrock-Grummeln mutiert. Das Album SECOND COMING wurde mit größtenteils schlechten Kritiken bedacht, doch diese Vorabsingle mit John Squires fließenden Slide-Riffs und der geflüsterten
Bedrohlichkeit von Ian Browns Gesang war über jeden Zweifel erhaben. Die Atmosphäre war mehr Roadmovie als Madchester, und Bobby Gillespie von Primal Scream bezeichnete die Nummer als „die großartigste Comeback-Single aller Zeiten“.

Text: Henry Yates/Polly Glass

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