Eddie Van Halen: Das Interview von 1978

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Eddie Van Halen: Das Interview von 1978

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Anlässlich der Veröffentlichung ihres ersten Albums sprach Steven Rosen mit dem jungen Gitarristen von Van Halen über seine Einflüsse, seine Hoffnungen und die Sache mit dem Fret-Tapping.

Es war irgendwann 1978. Ich sah mir mein Exemplar des ersten Albums von Van Halen an, als ich hörte, wie unter dem Fenster meines Gasthauses in Laurel Canyon der Motor eines Autos abgestellt wurde. Ich streckte den Kopf hinaus und sah herab auf ein mitgenommen aussehendes, unscheinbares Auto, das vor meiner Garage parkte. Ich war kurz davor, runterzugehen und dem Übeltäter zu sagen, er solle sein Fahrzeug bewegen. Ich wartete schließlich auf Eddie Van Halen, der vorbeikommen sollte, und wollte nicht, dass irgendein Idiot den Platz besetzt.

Ein paar Wochen zuvor hatte ich mich mit Ed im Whisky unterhalten, wo er mir von Michelle Myer vorgestellt worden war, einer guten Freundin von mir und Bookerin des Clubs. Nach fünf Minuten unseres Gesprächs bat er mich um einen Stift, weil er seine Telefonnummer aufschreiben wollte. Vor ein paar Stunden habe ich diesen Zettel gefunden, ihn angerufen und gefragt, ob er sich vielleicht irgendwann auf eine Unterhaltung treffen wollen würde. Er sagte: „Ich komme gleich vorbei“. Ich konnte nicht fassen, dass er noch am selben Tag vorbeischauen wollte.


Da ich kein richtiges Interview vorbereitet hatte, notierte ich mir nur ein paar Themen, die ich ansprechen wollte, und hoffte auf das Beste. Ich war eh schon nervös, als ich also dieses Auto auf meinem Parkplatz sah, drehte ich fast durch. Ich ging die Treppe runter und war bereit, dem Eindringling zu sagen, er müsse wegfahren oder ich würde sein Auto abschleppen lassen. Die Wagentür öffnete sich und Ed stieg aus. Ich lachte nervös und dachte: „Oh Scheiße, ich hätte fast Eddie Van Halens Auto abschleppen lassen“. Er begegnete mir auf halbem Weg die Treppe hinauf, wir schüttelten die Hände und umarmten einander. Jegliche Nervosität verflog. Er verhielt sich, als gäbe es keinen anderen Ort, an dem er Anfang 1978 lieber wäre als auf meiner zerknautschten Couch, mit einer Kippe im Mund und einer 66er Strat in der Hand, die er entdeckt hatte, sobald er den Raum betreten hatte.


Er sah sein Album auf dem Tisch und lächelte. Ich sagte, wie cool ich es von ihm fand, vorbeizukommen – er wohnte damals noch bei seinen Eltern in Pasadena, etwa 30 Minuten entfernt, wenn der Verkehr floss –, doch er zuckte nur mit den Schultern. Ich stellte den Kassettenrekorder auf der Couch zwischen uns, drückte auf „Record“ und begann mein erstes Interview mit diesem damals 23-jährigen Wunderkind, das die Welt erobern sollte.


War dein Vater Musiker?
Yeah. Er brachte uns schon sehr früh zur Musik. Er ließ Al [Bruder Alex] und mich für Konzertmusik am Klavier üben, klassisches Piano, als wir sieben und acht waren.

So jung wart ihr?
Oh ja. Mein Bruder war glaube ich sechs, als er anfing, und ich begann, als ich etwa sieben war. Nun, dann beschlossen wir, ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten nach Südkalifornien zu ziehen, und da entdeckten wir dann den Rock’n’Roll – Dave Clark Five und die ganz frühen Sachen. Ich lieferte Zeitungen aus und kaufte mir ein Schlagzeug davon. Ursprünglich war ich der Trommler und mein Bruder
der Gitarrist.

Tatsächlich?
Während ich draußen die Zeitungen in die Einfahrten warf, übte er an meinem Schlagzeug. Er wurde besser als ich. Und ich sagte: „Okay, du spielst meine Trommeln und ich schnappe mir deine Gitarre“. Und so nahm es seinen Lauf. Ich würde sagen, ich fing eigentlich erst so richtig mit der Gitarre und der Leadgitarre an, als Cream erschienen und solche Sachen [Mitte der 60er] und die Heavy-Gitarren aufkamen.

Kannst du dich an deine erste Gitarre erinnern?
Oh yeah. (lacht) Eine Sears Teisco Del Rey, mit drei Pickups. Ich dachte, je mehr Pickups eine Gitarre hat, desto besser ist sie. Je mehr Hebel und so. Heute habe ich ein Exemplar einer Strat, mehr oder weniger Marke Eigenbau, mit nur einem Pickup und einem Lautstärkeregler. Ganz schlicht.

Kannst du deine Gitarre etwas detaillierter beschreiben?
Sie sieht aus wie eine Strat, aber da ist dieser Laden in San Dimas namens Charvel Guitars, wo sie Maßanfertigungen machen. Meine war nicht wirklich maßgefertigt, eher ein Hals vom Schrott und ein abgesägter Körper, der einfach so rumlag. Ich wollte experimentieren und meine eigene Gitarre bauen, um den Sound zu erzeugen, den ich wollte. Ich hatte schon immer eine Strat gewollt wegen des Vibrato-Hebels, weil ich diesen Effekt liebe. Also kaufte ich sie ihnen für 50 Dollar ab, den Hals für 90 Dollar, und setzte sie zusammen. Dann baute ich einen alten Humbucker-Pickup ein und einen Lautstärkeregler, malte sie nach meinen Vorstellung an, und sie ist der Wahnsinn. Das ist immer noch meine Hauptgitarre.

Die schwarz-weiß gestreifte?
Yeah. Die auf dem Albumcover. Nur ein Pickup und ein Lautstärkeregler. Keine Ton- oder schicken Phasenregler oder so.

Hast du davor eine Fender Strat gespielt?
Ja, aber ich konnte aus einer normalen Strat nicht den Sound herausholen, den ich wollte. Jemand erzählte mir von Charvel, von ihrem Holz – ihre Körper erzeugen einen viel besseren Klang und solche Sachen. Ich schaute mir das an und es ist wahr.

Der eine Lautstärkeregler und ein einziger Pickup reichen dir für all deine Anforderungen?
Yeah. Ich verwende ein paar Effekte, etwa einen MXR-Phasenshifter, einen Flanger und zwei Echoplexes, die den Sound ein bisschen modifizieren. Und zwei Univox-Echoboxen für das Ende meines Solos auf ›Eruption‹. Das ist kein Echoplex, sondern ein Univox. Alles, was ich verwende, ist von MXR – was
anderes kann ich mir nicht leisten – und auf ein Brett geschraubt. Aber was den Ton betrifft, drehe ich einfach alles zum Anschlag auf, und je nachdem, wie man zupft, bekommt man dann verschiedene Klänge und so. Mein Verstärker-Setup ist aber ziemlich clever.

Beschreibe es mir.
Ich habe sechs alte Marshalls, die neu aufgebaut wurden, mit größeren Röhren und Stromwandlern, damit sie viel lauter sind. Ich verwende sechs Topteile auf sechs Boxen. Und diese Dinger namens Spannungsgeneratoren. Dadurch kann ich 150 oder 160 Watt anlegen, und so kann ich die Spannung weiter aufdrehen, als es für diesen Verstärker vorgesehen wäre.

Das klingt umwerfend.
Die Röhren werden dadurch glühend heiß. Der Verstärker wird so überladen, dass ich den Sound erhalte, den ich so mag.

Benutzt du irgendwelche speziellen Einstellungen an den Verstärkern?
Ich drehe sie einfach ganz auf, und zwar alles: Präsenz, Mittle, Bass …

Verwendest du im Studio dasselbe Setup?
Ja, exakt dasselbe.

Du drehst im Studio wirklich sechs Marshalls auf?
Oh nein, nein, nein. (großes Gelächter) Weißt du, ich hole denselben Sound aus einem wie aus sechs raus. Die Anzahl bestimmt nur, wie laut es wird. Und jeder Verstärker klingt gleich. Im Studio verwende ich tatsächlich zwei, denn ich will das auch spüren, wenn ich spiele.

Das muss ziemlich laut werden im Studio.
Oh ja, wir spielen in Bühnenlautstärke. Wir nahmen bei Sunset Sound auf, das Studio mag ich. Es ist einfach ein großer Raum, eigentlich wie unser Keller. Die Leute, die das Studio leiten und sich darum kümmern, kommen rein, wenn wir fertig sind, und da liegen überall Bierdosen auf dem Boden und Pink hat seine Hotdog-Flecken hinterlassen. Aber damit wir uns wohlfühlen, müssen wir eben tun, was wir wollen. Wir bauten unser Zeug in einem großen Raum auf und ich verwendete fast alles, was ich auch auf der Bühne verwende. Nur dass ich die alten Marshalls benutzte statt der brandneuen, die ich live
habe. Meine Gitarre und die Soli klangen cool, obwohl ich damit nicht sagen will, dass ich es nicht hätte besser machen können. Beim ersten Album brauchten wir nur ein Woche für die Musik, vier oder fünf Tage. Praktisch alles wurde im ersten oder zweiten Take eingespielt. Unser Konzept war, einfach zu spielen, was uns einfiel, statt uns zu zwingen, etwas Kommerzielles zu schreiben.

(Text: Steven Rosen)

Das ganze Interview mit Eddie Van Halen aus dem Jahr 1978 lest ihr in CLASSIC ROCK #95.

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