Review: Mord und Totschlag

-

Review: Mord und Totschlag

- Advertisment -

Mord und Totschlag Film

Zurück ins München der 60er – mit Anita Pallenberg.

Volker Schlöndorff hatte bereits eine Regieassistenz bei Jean-Pierre Melville und seine Verfilmung von Robert Mu­­sils Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ (unter dem Titel „Der junge Törleß“, 1966) vorzuweisen, als er sich an „Mord und Totschlag“ (1967) machte. Die Handlung des Films ist schnell erzählt: Die Münchner Kellnerin Marie (gespielt von Anita Pallenberg) und ihr Freund Hans trennen sich, er kommt noch einmal in ihre Wohnung und versucht sie zu vergewaltigen. Sie erschießt ihn. Für den Lohn von 500 Mark erklärt sich der gelernte Automechaniker Günther, den Marie in einer Kneipe aufgabelt, bereit, ihr bei der Beseitigung der Leiche zu helfen. Die beiden schlafen miteinander, bevor Günther seinen Freund Fritz zum Abtransport des toten Hans dazu holt. Von da an starten die drei in ein Roadmovie durch die bayerische Provinz.

Schlöndorff ließ sich für „Mord und Totschlag“ vom amerikanischen Gangsterfilm ebenso beeinflussen wie von der französischen Nouvelle Vague, die besonders in der leichtfüßigen, ironisch gebrochenen Erzählweise wiederzuerkennen ist. Der Film taugt einerseits als Zeitdokument der 60er-Jahre – an den Wänden hängen Poster vom WM-Kampf Cassius Clay gegen Karl Mildenberger, von Roy Black und James Dean, die Filmmusik stammt von Rolling Stone Brian Jones –, wenn sich Marie mehr oder minder offensichtlich von nahezu allen auftretenden Männern anmachen lassen muss und ihr vorgeworfen wird: „Und wenn einer nochmal mit dir schlafen will, dann ist das doch kein Grund, einen umzulegen“, dann passt das aber auch ganz gut in die heutige #MeToo-Debatte.

Auch wenn „Mord und Totschlag“ nicht zu Schlöndorffs kanonischen Meisterwerken zählen mag, als sehenswerte Stilübung geht es allemal durch. Jetzt ist es auf DVD und Blu-ray wiederzuentdecken.

7/10

Mord und Totschlag
VON Volker Schlöndorff
MEDIA TARGET DISTRIBUTION

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

In Memoriam: Peter Green

Er war Sänger, Songwriter und einer der besten Bluesgitarristen, die Großbritannien je hervorgebracht hat. Wir blicken zurück auf das...

Jim Breuer und Joe Elliott: Das liebe ich an BACK IN BLACK

Jim Breuer (Comedian und Beano-Imitator) "BACK IN BLACK prägte meine Teenager-Jahre. Es gab, als ich aufwuchs, einen Clash der Sub­kulturen…...

Rückblende: The Quireboys mit ›7 O’Clock‹

Dieser hochansteckende, aufpeitschende Fanliebling von Spike & Co. hatte in den ersten paar Jahren seiner Existenz nicht mal einen...

Die reine Polemik!

Diesmal eher unpolemisch, dafür mit einer tiefen Verbeugung: vor zwei Typen, die 1973 etwas wahrhaft Großes schufen, das in...
- Werbung -

Gamechangers: Guns N‘ Roses mit APPETITE FOR DESTRUCTION

Ob Buddy Holly, der den Kids beibrachte, eine Fender Stratocaster zu begehren, George Harrison als Pionier des amerikanischen Folkrock...

Jackson Browne – DOWNHILL FROM EVERYWHERE

Engagierte Songs – mit karibischen Einschlägen Es werde schwerer und schwerer, neue Lieder zu schreiben, weil einen die eigenen Standards...

Pflichtlektüre

Flying Colors – Gesegnet

Mit den Flying Colors setzt eine weitere Supergroup zum...

Sallie Ford: Hier exklusiv den neuen Clip zu ›Get Out‹ sehen

Sängerin und Gitarristin Sallie Ford zeigt uns ihr psychedelisches...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen