Rückblende: Roxy Music – ›Virginia Plain‹

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Rückblende: Roxy Music – ›Virginia Plain‹

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Roxy Music Virginia PlainEs brach alle geltenden Regeln, was eine Hitsingle ausmacht, doch dieses Lied über das Gemälde einer Zigarettenschachtel – einer Zigarettenschachtel! – wurde zu einem echten Rockklassiker.

Dieser Song verhalf Roxy Music zu ihrem großen Durchbruch und dem Sommer 1972 zu einem seiner definierenden Chart-Momente. Dabei war er eine Hitsingle, die nicht nur sämtliche Regeln ignorierte, sondern sie gleich komplett auf den Kopf stellte: kein Refrain, ein Intro mit Fade-in und ein abruptes Ende – das genaue Gegenteil von „normalen“ Singles. Der Titel wurde nicht mal erwähnt, bis zu ebenjenem finalen Schlusspunkt, wo Bryan Ferry plötzlich herausplatzt: „What’s her name? Virginia Plain!“

„Heutzutage, wenn man an Singles denkt, haben sie die Formel perfektioniert“, sagt Gitarrist Phil Manzanera. „Gleich am Anfang direkt in den Refrain, dann der Hook, eine schnelle Strophe, zurück zum Refrain, und das Ganze von vorne bis zum Fade-out. Bei ›Virginia Plain‹ gab es nichts dergleichen.“

War es eine arglistige Subversion des bestehenden Geschmacks? Ein arroganter Artrock-Leitspruch, der eine neue Wirklichkeit einläutete? „Nein, nichts davon. Wir hatten einfach nur keine Ahnung, wie man eine Single machte. Wir hatten das noch nie getan.“

Typischerweise hatten Roxy Music im Gegensatz zu gültigen Schemata ihr Debütalbum zwei Monate zuvor im Juni 1972 veröffentlicht. Es war voller Songs, die weder einen Refrain hatten noch ihre Titel auch nur erwähnten und oft ohne Warnung einfach aufhörten, erreichte aber dennoch Platz 10 der UK-Albumcharts.

„Wir hatten keine Ahnung, wie man eine Single macht. Wir hatten das noch nie getan.“
(Phil Manzanera)

Im August 1972 ihre erste Single aufzunehmen und zu veröffentlichen, war ein nachträglicher Einfall. „Man sagte uns: Das Album ist ganz gut gelaufen. Ihr solltet eine Single machen. Und wir dachten, na dann, okay…“

Als die Band im Juli in den Command-Studios in London eintraf, hatten sie das Stück noch nicht mal geprobt. „Wir kreuzten einfach im Studio auf, Bryan spielte diese unglaublich simplen drei Akkorde auf dem Klavier und wir fingen halt in jenem Moment an, damit rumzuexperimentieren“, so Manzanera.

„Wir“, das war das klassische frühe Roxy-Line-up, also Saxofonist und Oboist Andy Mackay, Schlagzeuger Paul Thompson und der Mann mit dem kryptischen Namen Eno (noch niemand wusste, dass sein Vorname Brian war) am VCS3-Synthesizer und „Behandlungen“, was auch immer das war. Das Herumexperimentieren erwies sich als ziemlich ausgiebig.

Neben der frei assoziativen Lebensfreude des Texts („Flavours of the mountain streamline, midnight-blue casino floors/Dance the cha-cha thru till sunrise, open up exclusive doors, oh wow!“…aaaah ja) gab es auch einzigartige Klänge: Ferrys stark vibrierende Stimme, das Geräusch eines Motorrads, das davon donnert, Enos Spielzeug-Synthesizer und, am absurdesten und schönsten überhaupt, eine trötende Oboe. „Gab es jemals eine Hitsingle mit einer Oboe?“, sinniert Manzanera. „Ich weiß es nicht. Aber ich denke mal, dass offenbar eine vermisst wurde. Keine andere Band damals schien eine zu haben.“

Doch ›Virginia Plain‹ hatte noch andere Aspekte, von denen andere Künstler nicht mal zu träumen wagten. Etwa das Gefühl, dass sich gerade irgendjemand, irgendwo, auf Kosten des Rests der Welt einen dicken, fetten Scherz erlaubt.

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